Netzwerk: „Aktuelle Perspektiven der Romantikforschung“

Aktuelle Perspektiven der Romantikforschung | Theorien, Methoden, Lektüren

Netzwerk für Wissenschaftler*innen in der Qualifikationsphase

Die internationale Romantikforschung floriert: Studien zu den Künsten, Wissenschaften und Kulturen, den Innovationen, Traditionen und Rezeptionen, der Poetik, Ästhetik und Medialität der Romantik haben Konjunktur.1 Diese fachübergreifende Dynamik lässt sich nicht zuletzt auf den bemerkenswerten Umstand zurückführen, dass die Romantik gleich im doppelten Sinne als aktuell und relevant zu gelten hat. Denn zum einen kann sie als diejenige Epoche betrachtet werden, deren philosophische, künstlerische, wissenschaftliche und soziale Ansätze bis in die Gegenwart fortwirken. Nachverfolgen lässt sich dieses Echo von der experimentellen Erzählliteratur über homöopathische Praktiken bis hin zu liberalen Partnerschaftsentwürfen und medialen Selbstinszenierungsstrategien. Kurzum: Die Romantik hat streng genommen nie aufgehört, Gegenwart mitzugestalten. Zum anderen werden in den romantischen Netzwerken um 1800 diejenigen Wissensformationen und Denkfiguren gebildet, die gegenwärtige Erkenntnisse präfigurieren und reflektieren, wie sich u.a. mit Blick auf die Ökologie- und Biodiversitätsforschung oder die Psychologie und Neurowissenschaften veranschaulichen ließe. Kurzum: Die Romantik hat streng genommen nie aufgehört, Gegenwärtigem vorzugreifen.

Versucht man, gerade hinsichtlich der Romantikforschung im deutschsprachigen Raum, rezente Zugriffe auf und Einsichten über ‚das Romantische‘, ‚die Romantik‘ und ‚die Romantiker*innen‘ zu differenzieren, präsentiert sich ein äußerst heterogenes Bild, das kulturwissenschaftliche und neohermeneutische, modell- und aktualisierungstheoretische, sozialgeschichtliche und dekonstruktivistische, digitalphilologische und textimmanente Interpretationen einschließt. Ein hohes Innovationspotential geht dabei von theoretisch avancierten und historisch versierten Arbeiten aus, die romantische Kunst, Gesellschaft und Wissenschaft neu zu deuten und bislang unbekannte Kontexte auf die Romantik zu beziehen vermögen. Es überrascht wenig, dass solche Beiträge insbesondere von jungen Wissenschaftler*innen vorgelegt werden, die ‚Romantik‘ zunehmend als reizvollen Forschungsgegenstand entdecken.

Genau an diesen Beobachtungen und Befunden möchte das geplante Netzwerk „Aktuelle Perspektiven der Romantikforschung | Theorien, Methoden, Lektüren“ ansetzen, das mit der Professur für Neuere Deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Romantikforschung an der Goethe- Universität verknüpft ist. Es versammelt Wissenschaftler*innen , die sich in der in der Qualifikationsphase befinden und Projekte zur Romantik vorbereiten oder ihr einschlägiges Interesse an der Romantikforschung ausweisen können. Im kontinuierlichen Austausch mit etablierten und renommierten internationalen Romantikforschenden liegen den Aktivitäten des Netzwerks drei Zielvorhaben zugrunde: Erstens geht es der Initiative um eine Vernetzung junger Romantikforscher*innen, ihrer Projekte und Erkenntnisinteressen, insbesondere – aber nicht ausschließlich – mit Blick auf den deutschsprachigen Raum. Zweitens intendiert die Initiative eine Differenzierung der theoretischen, methodischen und praktischen Ansätze, die gegenwärtig in der Romantikforschung maßgeblich sind bzw. maßgeblich werden und neue Lektüren der Romantik und des Romantischen anbieten. Drittens setzt sich das Netzwerk die Komprimierung dieser Ansätze in einer gemeinsamen Publikation zum Ziel, die das Potential dieser Zugriffe und Interpretationen vorführt und das Profil der aktuellen Romantikforschung schärft. Die Publikation wird in der wissenschaftlichen Buchreihe Neue Romantikforschung veröffentlicht, die in Kürze unter der Herausgabe von Roland Borgards, Frederike Middelhoff und Martina Wernli im Metzler Verlag erscheint.

Das Netzwerk nimmt seine Arbeit im Frühjahr 2021 auf. Es sieht regelmäßige Arbeitstreffen der Mitglieder an der GU Frankfurt sowie gemeinsame Workshops und Symposien mit geladenen Referent*innen für den Zeitraum von knapp 36 Monaten vor.

Weitere Informationen folgen in Kürze.

Kontakt:

Frederike Middelhoff (W1-Professur für Neuere Deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Romantikforschung an der GU Frankfurt)

Middelhoff@em.uni-frankfurt.de

https://www.uni-frankfurt.de/Middelhoff